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Alfred Maurer verabschiedet sich bei Gedenkfeier zur Reichspogromnacht

Über 20 Jahre war der Pfarrer i.R. verantwortlich für die Initiative 9. November, jetzt legt er die Aufgaben in jüngere Hände

Vor der Gedenkstele für die Ermordung der jüdischen Windsheimerinnen und Windsheimer von links: Alfred Mauer und Ulrich Herz (Fotos: Günter Blank / Windsheimer Zeitung)

Beginn der Gedenkfeier 2021 am Kornmarkt, ganz links Bürgermeister Jürgen Heckel

Gang zum Hafenmarkt

Der Posaunenchor begleitet seit Jahren die Gedenkfeier

Vor der Stele am Hafenmarkt

Bad Windsheim. Am 9. November 2021 leitete Pfarrer i.R. Alfred Maurer zum letzten Mal die Gedenkfeier zur Reichspogromnacht und überhab die Aufgabe in die Hände von Ulrich Herz. Das Ziel des Gedenkens ist es, die Erinnerung an das Verbrechen der Judenverfolgung vor Ort, in der Stadt Bad Windsheim, wach zu halten.

1998 gründete Werner Conrad, ein führender Gewerkschafter, die Initiative 9. November. Die Vorarbeiten dafür hatten Helmut Hofmann und Horst Steinmetz gelegt, die in mühseliger Kleinarbeit die Spuren der Windsheimer Juden zusammentrugen und in einem Buch veröffentlichten.

Alfred Maurer stieß 1999 zu der Gruppe und übernahm später die Leitung. Über viele Jahre hat er die Erinnerung an die Geschichte der Juden unserer Stadt wachgehalten.

Höhepunkt seines Wirkens war sicher die Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Reichspogromnacht. Alle noch lebenden ehemaligen Windsheimer Juden – damals waren es noch fünf - waren von der Stadt Bad Windsheim eingeladen worden. Dazu kamen noch eine Reihe von Verwandten. Die Stele am Hafenmarkt wurde enthüllt und die Namen der 40 jüdischen Bürger und Bürgerinnen verlesen, „die zwischen 1933 und 1945 im Nationalsozialismus entrechtet, deportiert und ermordet wurden“, wie es auf dem Denkmal heißt. Mehr als 100 Teilnehmer waren zu der Veranstaltung gekommen. Im Anschluss wurde ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert, bei dem die Psalmen aus der Bibel der Juden im Mittelpunkt standen.

Jetzt wurde Alfred Maurer im Rahmen der Gedenkfeier herzlich gedankt für alles Engagement. Die Leitung der Initiative 9. November hat der Pädagoge und Historiker Ulrich Herz übernommen, der ebenfalls schon lange zur Aufarbeitung der Windsheimer Geschichte beigetragen hat.

 

Wir schließen uns an und bedanken uns bei Alfred Mauer, dass er das Gedenken an die Windsheimer Juden wach gehalten und immer wieder hervorragende Redner für den Gedenktag eingeladen hat. Damit hat er die Verbindung deutlich gemacht, die zwischen der christlichen Kirche und der Gemeinschaft der Juden besteht.

Im Jahr 1938 hatte evangelische Kirche in Deutschland kläglich versagt. Es gab nur wenige Pfarrer, die sich trauten, den Mord an Juden auch als Mord zu bezeichnen. Erst infolge des Holocaust kam es zum Umdenken in der Kirche und man besann sich auf die gemeinsamen Wurzeln des Glaubens in der Bibel. Vor allem der Römerbrief des Juden und Apostels Paulus half, die Stellung der Kirche Jesu richtig einzuorden: Wir sind nur eingepfropft in den Ölbaum Israel. Das Volk der Juden bleibt Gottes erwähltes Volk.