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Fürchtet euch nicht

Grußwort zu Weihnachten im Jahr 2020: Wie drei uralte Worte aus der Weihnachtsgeschichte in der Coronakrise wichtig werden

Sonnenuntergang hinter Bad Windsheim: Wenn Sie genau hinschauen, können Sie links die Konjuktion von Jupiter und Saturn erkennen: Hinweis auf den Stern von Bethlehem

Krippe aus Buchheim

Liebe Leserin, lieber Leser!

„Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach da zu sitzen und vor sich hin zu schauen.“

Diese Worte von Astrid Lindgren habe ich im Jahr 2019 an dieser Stelle zitiert, mit einem Blick auf die vorweihnachtliche Hektik und Kommerzialisierung des Festes. Nie hätte ich mir vorstellen können, wie ganz anders die Situation ein Jahr später sein würde. Dieses Jahr haben die meisten von uns Zeit; manche sogar mehr, als ihnen lieb ist.

Weihnachten 2020:  Welcher Satz wäre dieses Jahr passend?

In meinen Gedanken höre ich Worte aus einer bekannten Geschichte. Sie lauten:

„Fürchtet euch nicht!“

Wie? - so denken Sie jetzt vielleicht, wie bitte? – wir sollen uns nicht fürchten? Wir müssen uns doch fürchten vor dem Virus, welches seit zehn Monaten die ganze Welt in seinem Würgegriff hält. Das uns dazu zwingt, uns voneinander fern zu halten. Das uns dazu zwingt, die Läden und Restaurants, Kinos und Theater zu schließen, keine Konzerte mehr und kein gemeinsames Singen in Gottesdiensten. Das Virus, durch das betagte Menschen in Pflegeheimen einsam leben und sterben müssen, durch das Pflegekräfte, Ärzte, Lehrer, Erzieherinnen und Eltern an die Grenzen ihrer Nerven und Kräfte kommen. Und jetzt ist sogar eine noch ansteckendere Variante davon aufgetaucht. Wir müssen uns doch fürchten! Und da hinein also: „Fürchtet euch nicht!“ Ist das angebracht?

Liebe Leserin, lieber Leser, die Geschichte zu diesen drei Worten: Sie ereignet sich im jüdischen Land vor ungefähr 2020 Jahren. Da ist ein junges Paar, in Erwartung seines ersten Kindes, auf Befehl der Obrigkeit in einem fremden Ort. Sie haben kein festes Dach über dem Kopf und keinen Beistand. Das Kind wird in ärmlichen Verhältnissen des Nachts geboren, ein kleiner Junge. In der Geschichte des biblischen Schriftstellers heißt es:

„Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe. Und es waren Hirten in derselben Gegend, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und des Herrn Engel trat zu ihnen und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“

Wegen dieser Geschichte - und nur wegen dieser Geschichte! – traue ich mich auch, uns allen zuzusprechen: Fürchtet euch nicht! Weil ich glaube, dass der Ruf des Engels in der Heiligen Nacht auch heute gilt, an Weihnachten 2020. Natürlich sind wir überaus vorsichtig im Umgang miteinander. Natürlich nehmen wir die Bedrohung durch dieses ansteckende Virus sehr ernst. Unsere Herzen sind erschrocken und unsere Seelen aufgewühlt. Aber in alldem gilt uns der Ruf, der von Gott kommt: Fürchtet euch nicht! Darum: Lassen wir die dunkle, kalte Furcht nicht die Oberhand in uns gewinnen! Zünden wir viele helle, warme Lichter und Kerzen an, hören wir die Weihnachtslieder aus den Medien erklingen und singen wir sie zuhause laut mit. Telefonieren wir mit unseren Verwandten und Freunden. Erfreuen wir uns an Briefen und Weihnachtskarten, an all den Bildern und Worten voller Licht, Liebe und Hoffnung. „Fürchtet euch nicht!“ Denn wir sind doch Menschen, für die Gott kommt! Sein Licht erstrahlt in aller Finsternis.

Ich wünsche Ihnen Trost und Hoffnung in dieser Weihnachtszeit und von Gott behütete Wege im neuen Jahr 2021

Ihre Dekanin Karin Hüttel