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Trauer um Bernd Uhlmann

Am 28. Oktober 2020 ist der ehemalige Stadt- und Bezirkskantor, zuletzt Kantor und Organist in Obernzenn, im Alter von 79 Jahren gestorben

Bernd Uhlmann vor seinen vielen Büchern, neben der Musik eine Leidenschaft von ihm (Foto: Helmut Meixner)

Als er im Januar 1981 seinen Dienst als Stadt- und Bezirkskantor antrat, sollte unter seiner Ägide die Kirchenmusik in Bad Windsheim zu hoher Blüte gelangen!

Der gebürtige Stuttgarter, der an der Esslinger Kirchenmusikschule studiert hatte, konnte insgesamt über 23 Jahre hinweg die Kirchenmusik in Bad Windsheim prägen.

Zunächst intensivierte er die Chorarbeit durch die Auffächerung in unterschiedliche Altersgruppen der Kinder und Jugendlichen, mit denen er altersentsprechend musikalische Aufführungen von der Gottesdienstgestaltung bis hin zu Schauspielabenden auf den Weg brachte. Vielen Windsheimer Kindern wurde auf diese Weise der Zugang zu klassischer Musik eröffnet.

Immer wieder organisierte er verschiedenste Instrumentalgruppen, ein Projektchor, das Vokalensemble der Seekapelle, wurde gegründet und schließlich gewann Bernd Uhlmann das Erlanger Kammerorchester St. Matthäus als ständige Begleitung für fast alle großen und kleineren Kirchenkonzerte.

Die Kantorei machte er mit neuen Werken aus allen Epochen der Musikgeschichte vertraut : mit der Passion von Joachim von Burgk aus dem 16. Jahrhundert, mit Werken von Heinrich Schütz und anderen Motetten des 17. Jahrhunderts, die er z.T. erst aus dem Archiv der Windsheimer Chorbibliothek herausschälte und mit Umschrift in heutige Notenschlüssel aufführbar machte. Von Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium, Mozarts Requiem und Krönungsmesse, Dvořáks D-Dur Messe, Liszts Seligpreisungen bis hin zu den doppelchörigen Motetten von Mendelssohn ging die Vielfalt der zu singenden Werke.

Dabei verstand es Bernd Uhlmann immer, den Zugang zu jedem Werk, ja schließlich auch Begeisterung für es zu wecken, auch wenn es sich anfangs vielleicht noch etwas zäh erwies. Unter seiner Anleitung und Führung konnte man auch der mehrfachen Wiederholung einer bestimmten Taktfolge noch etwas abgewinnen und - was man nach Jahren merken konnte, was einmal einstudiert war, das „saß“.

Von Anfang an machte er auch die – in erbärmlichem Zustand befindliche - Orgel in St. Kilian zu „seinem“ Anliegen: noch im gleichen Jahr seines Dienstantritts wurde im November der Orgelbauverein gegründet, der den Neubau und die Finanzierung der Orgel betrieb und der als Förderverein für Kirchenmusik immer noch existiert. Er selbst war sich nicht zu schade, um mit zahlreichen Chormitgliedern in der Losbude auf der Windsheimer Kirchweih Spenden für den Orgelbau „einzutreiben“.

Auch für die Städtepartnerschaften der Stadt Bad Windsheim war die Kirchenmusik ein Aushängeschild: Für die Chorfahrten der Kantorei und Jugendkantorei nach St.Yrieix in Frankreich und nach Este in Italien wurden attraktive Werke mit Instrumentalisten einstudiert, die dort mit großer Begeisterung aufgenommen wurden. Auch die Begeisterung bei den Teilnehmern dieser Fahrten war groß und sehr inspirierend.

Nach seinem überraschenden Rückzug in den Ruhestand im Jahr 2004 suchte er sich als Ruhesitz  Obernzenn aus. Dort gelang es ihm wiederum, musikalisches Leben zu etablieren. Kleine, aber feine Konzerte in St. Gertraud mit Musikern und Sängern aus Nah und Fern, die ihm weiterhin gewogen waren, erfreuten ein- bis zweimal im Jahr die Zuhörerschaft. Wer bei ihm musizieren durfte, wird das sicher nie vergessen und dankbar auf diese Zeit zurückblicken.

Hannelore Bedal, Mitglied der Kantorei in Bad Windsheim